Es gibt keine Sorgen!
Der Spruch stammt aus dem Suaheli und drückt eine sorglose und entspannte Einstellung zum Leben aus. In Ostafrika nutzt man ihn, um zu zeigen, dass alles in Ordnung ist.
In den Ferien habe ich eine „Hakuna Matata“ Postkarte von einem ehemaligen Schüler bekommen. Darüber habe ich mich riesig gefreut. Einerseits weil er mich nicht vergessen hat und ich andererseits ein wenig erfahren konnte, wie er sich weiter entwickelt hat und was ihm wichtig ist. Das finde ich immer spannend!
Wo Hakuna Matata mir hilft
Außerdem finde ich die Botschaft, die hinter Hakuna Matata steckt, sehr passend für meine derzeitige Lebenssituation. Eine Erinnerung daran, dass es kein wirkliches Problem gibt, kann ich zwischendurch ganz gut gebrauchen. Immer dann, wenn ich mir mal wieder zu viele Sorgen mache und meine Gedanken überaktiv sind. Deshalb hat die Karte jetzt auch einen Ehrenplatz in meinem Büro bekommen.
Aber auch für den jetzigen Schulanfang kann Hakuna Matata Eltern und Schülern weiterhelfen. Schule hat so eine wichtige Aufgabe für die Bildung unserer Kinder. Hier wird nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch die Fähigkeiten, die nötig sind, es anzuwenden, auf neue Bereiche zu übertragen und in der Lage zu sein, es sich selbst anzueignen. Das alles ist so wichtig, damit unsere Kinder zu mündigen Menschen werden, die selbstbestimmt leben und eigene Entscheidungen treffen können. Das geht nämlich nur, wenn man dazu in der Lage ist, Dinge zu hinterfragen und sich eigene Urteile zu bilden. Sonst ist man darauf angewiesen, das zu glauben, was andere einem erzählen.
Sich ein eigenes Urteil bilden
Wenn man in den sozialen Medien unterwegs ist, wird man mit einer Vielzahl von Erzählungen konfrontiert. Häufig werden Meinungen als Wahrheiten verkauft, mit dem Ziel Emotionen hervorzurufen und so in eine bestimmte Richtung Einfluss zu nehmen. Hat man eine solide Basis über das Wissen unserer Zeit und weiß man, wie man an verlässliche und belegte Informationen kommt, kann man dem entkommen. Die Schule leistet hier einen unersetzlichen Beitrag.
Was hat das nun mit Hakuna Matata zu tun?
Ich gehe jetzt in das 13. Jahr als Mutter von Schulkindern. In den letzten 12 Jahren habe ich viel mit der Schule erlebt. Viele richtig gute Sachen, tollen Unterricht, hervorragende Lehrkräfte, die gefordert und unterstützt haben und den Kindern unfassbar viel Empathie und Wertschätzung entgegengebracht haben. Dafür bin ich sehr dankbar!
Aber es gibt wie in jedem Bereich auch in der Schule Dinge, die nicht gut laufen. Oft habe ich nur mit dem Kopf geschüttelt und versucht es mit Humor zu nehmen. Einige Situationen haben mich auch richtig wütend gemacht. Das haben die Kinder natürlich mitbekommen. Meine Urteile und Emotionen treffen auf die Erfahrungen und Emotionen meiner Kinder. Und dann beginnt ein Drahtseilakt. Jetzt heißt es ausbalancieren. Manches muss angesprochen und geklärt werden, manches kann man nicht ändern und muss es so hinnehmen. Hierbei den Unterschied zu erkennen und dann einen Konsens zu finden, ist eine Herausforderung. Am besten gelingt es, wenn man respektvoll miteinander und über andere spricht und immer daran denkt, dass man nie wirklich weiß, was jemand anderen bewegt. Man kann verstehen, was passiert ist, ohne dass man damit einverstanden ist. Das unterscheiden zu können, erleichtert die Kommunikation mit den Mitmenschen.
Lieber nicht gemeinsam auf die Schule schimpfen
Natürlich kann ich mich auch zu Hause hinsetzen und gemeinsam auf die blöde Schule und die unfähigen Lehrkräfte schimpfen. Das befreit und vereint Eltern und Kindern. Es hat allerdings auch den Effekt, dass sich die Einstellung zur Schule ändert, hin zu der Wahrnehmung, dass ich dort sowieso nichts lerne. Das kann dann zu Resignation oder Kampf gegen alles und jeden in der Schule führen. (Ich habe beide Arten von Schülern erlebt, zum Teil schon in der ersten Klasse. In den Fällen wurde von den Eltern bewusst oder unbewusst stark gegen die Schule gearbeitet.) Beides ist nicht hilfreich an einem Ort, der Wissen und Werte vermitteln soll und will. So bleibt garantiert nichts hängen von dem, was im Unterricht und Schulalltag gelehrt wird.
Es gibt einen wissenschaftlich festgestellten Zusammenhang zwischen dem Lernerfolg und der positiven Beziehung zur Lehrkraft. Das wird unter anderem in der Hattie-Studie aus dem Jahr 2009 nachgewiesen. Der Mechanismus darin ist, dass Lernende in einem von Wertschätzung geprägten Umfeld weniger Angst vor Fehlern haben, mehr Leistungsbereitschaft zeigen und sich an anspruchsvolle Aufgaben herantrauen.
Nun liegt es in der Hand der Lehrkraft, dieses Umfeld zu schaffen. Das gelingt nach meiner Erfahrung unterschiedlich gut. Auf die Lehrkraft habe ich jedoch keinen Einfluss, auf mein Kind schon. Dort liegt für mich mein Handlungsspielraum. Für mich heißt es also, möglichst entspannt bleiben, das Kind ernst nehmen und begleiten, aber auf keinen Fall die Beziehung zur Lehrkraft noch mehr beschädigen. Vielen Situationen lässt sich doch noch etwas Positives abgewinnen, ich kann immer etwas lernen und zur Not tröstet die Tatsache, dass alles mal vorüber geht.
Noch zwei Jahre
Da es neben dem 13. Jahr für mich auch das vorletzte Jahr als Mutter von Schulkindern ist, schwingt diese Einstellung auch ein bisschen mit. Doch gerade bin ich sehr positiv eingestellt. Meine Kinder haben tolle Lehrkräfte, von denen sie gut aufs Abitur und aufs Leben vorbereitet werden.
Das wünsche ich auch allen anderen Eltern.
Hakuna Matata!