Den eigenen Weg finden
Charlie Chaplin
Mitten im Wald steht dieser Wegweiser. Er zeigt den vorbeikommenden Menschen, welchen Weg sie nehmen müssen um an ihr Ziel zu kommen.
Wegweiser finden wir glücklicherweise in unserem Alltag immer wieder. Das gilt im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Sie helfen uns, in die richtige Richtung zu gehen. Das kann der gute Rat von einem wichtigen Menschen sein, ein Vorbild oder ein Ziel. Auf jeden Fall etwas, das einem im Leben Orientierung gibt. Doch manchmal stehen da keine Wegweiser.
Was sind die Scheidepunkte?
Als Charlie Chaplin diese Zeile in seiner Autobiographie „Die Geschichte meines Lebens“ schrieb, hatte er in seinen 75 Lebensjahren viele Erfahrungen sammeln können. Eine davon ist die Erfahrung, dass es in den wirklich kritischen Momenten des Lebens, wenn es um Karriere, Liebe oder existenzielle Werte geht, keine Wegweiser gibt.
Ich stelle mir das so vor, als wären auf dem Wegweiser die Ortsangaben nicht lesbar. Ich stehe davor und sehe, dass es viele verschiedene Wege gibt. Aber ich weiß nicht, wohin mich welcher Weg führt und ob ich damit an meinem Ziel ankomme. Vielleicht ist die Richtung völlig falsch, der Weg ist total uneben und schwer zu begehen oder es ist eine Sackgasse. Es gibt einfach keine klare Anweisung für mich.
An den echten Wendepunkten, bei großen lebensverändernden Entscheidungen ist es so. Man kann keine klaren Anweisungen erwarten und steht alleine da. Der Wegweiser muss aus dem Inneren kommen. Ich selbst bin verantwortlich für die Entscheidung. Das ist meine Eigenverantwortung, die mir niemand abnehmen kann. Und es gibt keine Sicherheit, dass der Weg so verläuft, wie ich es mir erhoffe. Mit dieser Unsicherheit muss ich zu leben lernen.
Was hilft mir an den Scheidepunkten?
Auch wenn es keine klaren Anweisungen gibt, habe ich doch einige Entscheidungshilfen. Das sind für mich:
- Die eigenen Werte und das Gefühl für die richtige Richtung. Unsere Werte können uns Orientierung geben. Wenn wir uns ihrer bewusst sind, können sie uns helfen, die richtige Richtung zu finden. Dazu frage ich mich, was mir wirklich wichtig im Leben ist.
- Die Frage, welche Entscheidung ich später eher bereuen würde, gibt mir weitere Hinweise auf das, was ich tun sollte.
- Auch der Körper ist immer an Entscheidungen beteiligt. Die Fähigkeit, meine Körperreaktionen wahrzunehmen und deuten zu können hilft mir. Ich achte darauf, bei welcher Möglichkeit ich mehr innere Ruhe spüre und entscheide mich für diese.
- Hilfreich ist es auch, zuerst einen kleinen Schritt in eine Richtung zu machen. Ich muss nicht am Anfang den ganzen Weg benennen.
- Obwohl ich die Entscheidung ganz alleine treffen und verantworten muss, kann ich mit jemandem sprechen, der mich gut kennt und der ehrlich zu mir ist. So kann ich gute Hinweise bekommen, die mich bei der Entscheidungsfindung unterstützen.
- Wenn ich mir erlaube meine Entscheidung später zu ändern, nimmt das den großen Druck von mir. Nicht jeder Weg muss endgültig sein.
„Umwege erhöhen die Ortskenntnis“
Ich muss am Scheideweg also nicht immer sofort die richtige Richtung finden. Manchmal zeigt sie sich nicht als deutlicher Wegweiser, sondern erst nachdem ich ein Stück gegangen bin. Auch ein falscher Weg oder eine Verzögerung kann nützlich sein. Ich sammle Erfahrung, lerne mich besser kennen und entdecke neue Möglichkeiten.
Selbst wenn ich mich zunächst für einen Umweg entscheide, war die Entscheidung nicht automatisch falsch oder umsonst. Dadurch gewinne ich Orientierung und weiß danach oft besser, welchen Weg ich wirklich gehen möchte.
Das nächste Mal, wenn ich an diesem Wegweiser vorbeikomme, werde ich innehalten und mich an die Wege erinnern, die ich gegangen bin. An die guten Entscheidungen und diejenigen, die mich auf Umwege geführt haben. Und ich werde dankbar sein für all die Ortskenntnis, die ich dabei erworben habe.